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Die Digitalisierung des Unterrichts

News

Die Digitalisierung ist in der Volksschule angekommen. In der 5. Klasse erhalten alle Schülerinnen und Schüler mit dem eduBS-Book ein eigenes Gerät. Wie hat sich der Unterricht aufgrund des Projekts «Ausbau Digitalisierung VS/ZBA» verändert? Einblicke in ein zentral gesteuertes Grossprojekt.

Schüler arbeiten an Computern in einem Klassenzimmer mit Fenstern.
Konzentriert und unaufgeregt recherchieren die Schülerinnen und Schüler der 6A an ihren eduBS-Books.

In der Primarschule St. Johann arbeiten die 24 Schülerinnen und Schüler der 6A an einem Lernfilm. Bei dieser Aufgabe setzt Klassenlehrer Florian Dünki das eduBS-Book unterrichtsleitend ein und kombiniert die Fächer Natur Mensch Gesellschaft (NMG) sowie Medien und Informatik. Auf gewisse Medienkompetenzen bauen die Schülerinnen und Schüler auf, Videobearbeitung mit Vertonung und Schnitttechnik werden als neue Kompetenzen eingeführt. Die Konzentration und auch die Selbstorganisation, mit der die Schülerinnen und Schüler über drei Lektionen mit den eduBS-Books an ihrem Lernziel arbeiten, sind deutlich erkennbar. Natürlich sei in der 5. Klasse nicht sofort produktiv gearbeitet worden. «Wir befinden uns jetzt in einer 6. Klasse und alle profitieren von den Erfahrungen, die seit der Einführung der eduBS-Books gesammelt wurden. Zu Beginn herrschte grosse Aufregung. Da mussten alle durch», berichtet Florian Dünki. Am Anfang wurden vermeintlich einfache Dinge unterschätzt. Beispielsweise die Zeit, die benötigt wird, um 24 Passwörter zu setzen. «Das dauert alles erstaunlich lang», wie der Klassenlehrer aus Erfahrung spricht. In einer Projektwoche hat Florian Dünki gemeinsam mit den anderen Klassenlehrpersonen die eduBS-Books in der damals 5. Klasse eingeführt. Neben den Passwörtern und den grundlegenden Anwendungskompetenzen wurden dabei auch die Nutzungsbedingungen erarbeitet.

Arbeitsinstrument und Lerngegenstand

Sobald die Schülerinnen und Schüler verstanden haben, dass mit dem Gerät produktiv gearbeitet werden kann, wird es im Unterricht beim Lernen zu einem wichtigen Arbeitsinstrument und Lerngegenstand. Es konkretisieren sich auch neue Vorteile für die Schülerinnen und Schüler, darunter eine neue Ordnung in den persönlichen Arbeitsmaterialien. In OneNote gehen Notizen nicht einfach verloren oder kaputt und erhalten auch keine unerwünschten Eselsohren. Ausserdem bietet das eduBS-Book individuelle Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder mit Förder- und Unterstützungsbedarf, auch ohne das Mitwissen aller Mitschülerinnen und Mitschüler der Klasse. Die Klassenlehrpersonen können mit den eduBS-Books im Unterricht eine Struktur anbieten, die eine individuelle Ausführung und Anwendung ermöglicht. 
 

Kinder sitzen um einen Laptop auf dem Boden im Flur.
Die Lerninseln sind ideal für die Gruppenarbeit und zum Besprechen der geteilten Notizen.

Eine aufmerksame Schülerin benennt klar die Vorteile des eduBS-Books: «Es sind die geteilten Arbeitsräume von OneNote. Dort sehe ich auch, was die anderen reinschreiben. Und ich kann meine eigenen Notizen immer noch in persönliche Dokumente packen, die sehe dann nur ich.» Zu den grössten Herausforderungen zählen die erzwungenen Updates, darin sind sich die Schülerin und der Lehrer einig. «Ich versuche jeweils darauf hinzuweisen, dass die Updates angezeigt werden und dass man diese am Ende des Unterrichts oder übers Wochenende ausführen kann. Wenn die Updates aber dann im Unterricht erzwungen werden, sind die Schülerinnen und Schüler über längere Zeit blockiert. Auch damit müssen wir umgehen», weiss Florian Dünki aus Erfahrung.

Zentrale Verwaltung

Regelmässige Systemupdates gehören zur zentralen Verwaltung der Geräte und zählen zu den vielen Eckpfeilern, die beim Projekt «Ausbau Digitalisierung VS/ZBA» von Urs Dalcher, technischer Leiter, definiert worden sind. Zusammen mit dem technischen Projektteam hat er sich um die notwendigen Voraussetzungen gekümmert, damit die Digitalisierung der Volksschule und des Zentrums für Brückenangebote erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die Bandbreite an Themen reichte dabei vom Entwickeln der persönlichen Arbeitsgeräte (eduBS-Book) und der Klassengeräte, zur Auswahl der technischen Infrastruktur bis hin zum Einrichten des funktionierenden WLANs an den Schulen. Am Anfang des jährlichen Roll-outs steht die Gerätebestellung. Dafür braucht es eine Hochrechnung der zukünftigen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler. Durchschnittlich werden jedes Jahr 1800 Geräte bestellt. Es handelt sich dabei um sogenannte «Detachables», bei denen jedes Tablet mit Tastatur, Stift und Hülle ausgestattet ist. Die Lieferung aller Komponenten erfolgt direkt an den Distributor, der über eine Produktionsstrasse verfügt. Jedes einzelne Gerät wird dort aufgesetzt, beschriftet, in eine Schutzhülle verpackt und komplett für die Auslieferung und den individuellen Gebrauch vorbereitet.

Service Points

Zentral organisiert ist auch der Support für die Geräte. Für den Fall, dass ein Bildschirm kaputtgeht oder andere technische Probleme auftauchen, sind sogenannte Service Points in acht Filialen der GGG eingerichtet worden. Diese können die defekten Geräte nach Freigabe durch den zentralen Service Desk durch Ersatzgeräte austauschen. «Der Trend in Richtung Nachhaltigkeit ist auch in unser Digitalisierungsprojekt eingeflossen. Defekte Geräte werden heute vom Hersteller vermehrt repariert und nicht nur ersetzt», erläutert Urs Dalcher. Positiv überrascht ist er von der Tatsache, dass in den vergangenen vier Jahren weniger Geräte kaputtgegangen sind als ursprünglich angenommen. Andere Anforderungen wie die Sicherheit und individuelle Wünsche der Schulen für bestimmte Applikationen stellen das technische Team vor Herausforderungen, da diese aufgrund der zentralen Verwaltung der Geräte nicht immer leicht umsetzbar sind.

Bildung als Prävention

Junge am Schreibtisch, Gespräch mit Klassenlehrer Florian Dünki.
Klassenlehrer Florian Dünki nimmt sich Zeit für individuelle Anliegen.

Die meisten Anfragen für individuelle Apps betreffen den Bereich Videoschnitt. Die eduBS-Books sind ausgestattet mit einem Gratis-Schnittprogramm und die Lernvideos der 6A werden mit Shortcut bearbeitet. «Dass wir die Kinder auch in der Mediennutzung, -rezeption und -produktion bilden und ihnen Verantwortung im Umgang damit übertragen, sind wir ihnen schuldig. Die Schule steht da in einer Verantwortung. Wir begleiten aufmerksam und vorausschauend. Bildung verstehe ich auch als Prävention», das ist Florian Dünki wichtig. Er hat die Möglichkeit, digitale Feedbacks auf den einzelnen Arbeitsblättern zum individuellen Lernprozess zu hinterlassen und persönlich darauf einzugehen. Wann immer notwendig bespricht er einzelne Anliegen mit den Schülerinnen und Schülern. Auch wenn der Unterricht heute digital ist, bleibt die Beziehungspflege analog. Florian Dünki betont: «Das Persönliche bleibt natürlich bestehen. Das ist wichtig und zentral und wird sich nie ändern.»

Künstliche Intelligenz

Der Blick ins Klassenzimmer zeigt deutlich, dass sich der Unterricht verändert hat. Gesamtprojektleiter Lukas Kissling zieht eine positive Bilanz: «Die Einführung der IT-Infrastruktur ist konkret in der Schule sichtbar, das ist aus Projektsicht natürlich sehr positiv.» Das Ergebnis zeigt die Erfolge der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit. Überraschend schwierig stellte sich die Frage nach der Digitalisierung der Unterstufe. «Es mussten wichtige Fragen geklärt werden: Wie sollen die Geräte aussehen, welche Anwendungskompetenzen werden angestrebt, wie sollen die Geräte eingesetzt werden. Das hat alles länger gedauert, sodass wir diese Projektaufgabe erst jetzt abschliessen können», berichtet Lukas Kissling. Mit dem Blick in die Zukunft bleibt der Gesamtprojektleiter positiv. «Ich glaube, dass die Infrastruktur in dieser Form bis mindestens 2030 Bestand haben wird.» Anderes könnte in den nächsten Jahren angepasst werden. Vielleicht muss die zentrale Ausstattung in Bezug auf die Lehrpersonen auch bei den Volksschulen anders organisiert werden und es wird in ein paar Jahren möglich sein, das eigene Gerät zu verwenden. «Wenn wir in den Nachbarkanton Basel-Landschaft blicken, sehen wir, dass dies bereits möglich ist.» Alle Projektbeteiligten sind sich einig, dass die künstliche Intelligenz nach der erfolgreich umgesetzten Digitalisierung das grosse Thema an den Schulen sein wird. Da alle Schülerinnen und Schüler durch die Geräte auch Zugang zu KI erhalten, geht es darum, den Umgang damit zu schulen: Wann wird KI angewendet, wie wird sie benutzt, wie wirkt sie und auch wie funktioniert KI? Diese und andere Fragen werden an einer Tagung am 15. Mai 2025 behandelt, die von der Sekundarschule und dem PZ.BS organisiert wird.

Text: Maren Stotz

Fotos: Grischa Schwank

Projekt «Ausbau Digitalisierung VS/ZBA»

Vor fünf Jahren wurde durch einen Beschluss im Grossen Rat das Projekt mit dem Ziel initiiert, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen in wichtigen digitalen Kompetenzen zu fördern sowie das Fach Medien und Informatik einzuführen. Dafür werden seit 2021 alle Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen mit persönlichen Endgeräten ausgestattet. Für die Schülerinnen und Schüler des Kindergartens und der 1.-4. Klasse wurden Poolgeräte eingeführt. Im Rahmen der Gesamt-Schulleitungskonferenz findet das Projekt «Ausbau Digitalisierung VS/ZBA» am 20. Februar einen feierlichen Abschluss mit allen Projektbeteiligten und ICT-Betreuungspersonen. Als Programmhighlight spricht Urs Hölzle (aus Liestal, einer der ersten 10 Mitarbeiter von Google) im Interview mit Barbara Bleisch (Sternstunde Philosophie).

Weiterbildungen am PZ.BS

Zur Unterstützung der Lehrpersonen bei einem didaktisch durchdachten Einsatz digitaler Medien im Unterricht bietet das PZ.BS Weiterbildungen an. Alle Angebote für den Bereich Digitalisierung sind online zu finden.